Herbert Klocke über das Buch seines Vaters „An einem schönen Sommerabend“
Manchmal beginnt ein Buch nicht mit einem Verlag oder einem Manuskript – sondern mit einer einfachen Kladde. In diesem Fall war es eine rote Kladde, über zwanzig Jahre alt, gefüllt mit Texten, die auf einer alten Schreibmaschine geschrieben worden waren.
„Ab und zu habe ich darin gelesen“, erzählt Herbert Klocke. „Und dabei immer wieder gedacht: Eigentlich wollte mein Vater diese Texte einmal in einem richtigen Buch sehen.“
Der Wunsch blieb lange unerfüllt. In den letzten Jahren seines Lebens war der Vater krank, der Alltag nahm alle Kraft in Anspruch.
Doch nun ist aus der alten Kladde ein Buch geworden. An einem schönen Sommerabend – ein Titel, der bereits ahnen lässt, dass es hier nicht nur um Worte geht, sondern auch um Erinnerungen.
Die Texte des Vaters sind vielfältig. Da sind Gedichte über das Heimatdorf, über Landschaften und Menschen, über die stillen Rhythmen des ländlichen Lebens.
Andere Texte tragen noch die Schatten des Zweiten Weltkriegs in sich – Erinnerungen, die eine ganze Generation geprägt haben.
Und dann gibt es plötzlich auch Leichtigkeit: humorvolle Verse, augenzwinkernde Beobachtungen und sogar einige Schlagertexte, die es nie auf eine Bühne geschafft haben.
„Mit den Jahren sind mir diese Texte immer mehr ans Herz gewachsen“, sagt Herbert.
Beim Lesen meint man gelegentlich literarische Stimmen mitzuhören: einen Hauch von Eichendorff, vielleicht ein wenig Ringelnatz, an manchen Stellen den feinen Humor eines Heinz Erhardt. Und irgendwo klingt auch ein Lied an – die „Capri-Fischer“, die der Vater einst zusammen mit der Mutter vorgetragen hat.
Zwischen Vater und Sohn lag jedoch nicht immer nur Nähe.
„Ich habe einmal geschrieben, dass es ein langer Weg zu ihm war“, sagt Herbert nachdenklich. „Wenn ich heute darüber nachdenke, stimmt das nur teilweise.“
Mit den Jahren verändert sich der Blick auf die Vergangenheit. Politische Zuschreibungen verlieren an Bedeutung, das Menschliche tritt stärker hervor.
Eine Erinnerung ist ihm besonders geblieben: Der Vater wollte nicht, dass sein Sohn eine Waffe in die Hand nimmt. Ein Brief von ihm half Herbert damals, die Gewissensprüfung zu bestehen.
Heute entdeckt er sogar äußerliche Ähnlichkeiten neu.
„Meine früher sehr blonden Haare werden im Alter immer dunkler“, sagt er mit einem Lächeln. „Inzwischen sehe ich ihm vielleicht sogar ähnlicher als früher.“
Das Buch soll nun seinen eigenen Weg gehen. Anfang April könnte es bei einem Stammtisch von Lippern in München
(Lipper-Stammtisch-München, https://lipperstammtischmuenchen.wordpress.com/ )
eine erste Lesung geben. Und Herbert plant noch etwas anderes: Menschen zu besuchen, die seinen Vater früher gekannt haben – und ihnen das Buch persönlich zu bringen.
„Vielleicht interessiert diese Mischung aus Erinnerungen und Texten auch jüngere Leser“, hofft er. „Mein Vater war ein umweltbewusster, christlicher Pazifist. Vielleicht ist gerade diese Haltung heute wieder aktuell.“
Die Bearbeitung der Texte war für ihn eine Gratwanderung.
„Ich wollte sie intensiver und wirkungsvoller machen“, sagt er, „ohne ihre ursprüngliche Intention zu verändern.“
Als schließlich die grafische Gestaltung im Briefkasten lag, wusste er: Der lange Weg hatte sich gelohnt.
Aus einer roten Kladde ist ein Buch geworden.
Und aus vielen Erinnerungen ein Sommerabend, der nun für andere Leser weiterleuchtet.
Sogar Plattdeutsches kann man im Buch finden.

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